Krankheitsbild: Myasthenie

Krankheitsbild: Myasthenie

Bei einer Myasthenie ist die Muskelfunktion gestört. In der MEDICLIN Klinik Reichshof sind wir insbesondere auf Therapien bei Störungen der Atem- und Rachenmuskulatur spezialisiert.

Was ist eine Myasthenie?

Die Myasthenie (Myasthenia gravis) ist eine Nervenkrankheit. Die Erkrankung zählt zu den Autoimmunerkrankungen. Bei den Betroffenen ist die Signalübertragung zwischen dem Nervensystem und den Muskeln gestört. Die Folge ist eine Muskelschwäche, die unterschiedlich schwer ausfallen kann.

Eine Myasthenie ist nicht heilbar. Durch eine geeignete Behandlung lassen sich die Beschwerden in vielen Fällen aber lindern. Unbehandelt kann sich die Muskelschwäche immer weiter verschlimmern.

Die Erkrankung ist relativ selten. Durchschnittlich kommen auf eine Million Menschen 100 bis 200 Betroffene.

Welche Beschwerden entstehen bei einer Myasthenie?

Die Beschwerden bei einer Myasthenie können sehr unterschiedlich sein. Erste Krankheitszeichen treten häufig im Gesichtsbereich auf.

Symptome sind:

  • hängendes Augenlid
  • Augen können nicht komplett geschlossen werden
  • Sehstörungen wie Doppelbilder
  • Probleme in der Mimik: Der Betroffene kann nicht richtig sprechen, lachen oder kauen, es fällt ihm schwer, den Mund ganz zu schließen
  • Probleme, den Kopf oben zu halten, weil die Nackenmuskulatur betroffen ist
  • Muskelschwäche im Bereich der Rachen- und Kiefermuskeln, dadurch Probleme beim Essen und Schlucken. In manchen Fällen kann der Betroffene gar nicht mehr schlucken, dann muss der Speichel abgesaugt und Nahrung künstlich zugeführt werden.
  • Atemprobleme
  • Beschwerden im Bereich der Gliedmaßen sind in den Armen oft stärker als in den Beinen.

Grundsätzlich kann die Myasthenie alle Skelettmuskeln betreffen. Die Muskulatur der inneren Organe und des Herzmuskel ist nicht beeinträchtigt. Die Beschwerden sind oft belastungsabhängig, das heißt, nach körperlicher Anstrengung stärker als am Morgen und nach Ruhephasen.

Gefährlich: Atem- und Schluckstörungen durch eine Myasthenie

Wenn die Erkrankung die Atemmuskeln befällt, droht Lebensgefahr. In schweren Fällen muss der Patient künstlich beatmet werden. Auch Schluckstörungen können zu ernsten Komplikationen führen. Wenn Speiseteile oder Getränke in die Lunge statt in die Speiseröhre gelangen, kann es zu einer Lungenentzündung  kommen. 

Ursachen für eine Myasthenie

Eine Myasthenie ist eine Autoimmunerkrankung: Das körpereigene Abwehrsystem greift Rezeptoren (Andockstellen) für bestimmte Botenstoffe an. Das stört die Signalübertragung vom Gehirn an den Muskel. Der Muskel kann Bewegungen nicht mehr genau oder mit ausreichender Kraft ausführen oder ist ganz gelähmt. Was diese Störung verursacht, ist nicht vollständig geklärt.

Wie wir eine Myasthenie behandeln

In der MEDICLIN Klinik Reichshof behandeln wir Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen wie einer Myasthenie in unserer Fachklinik für Neurologie.

Sie kommen entweder zu einem medizinischen Heilverfahren oder zur neurologischen Rehabilitation der Phase C und Phase D zu uns.

Schwererkrankte Patienten, die durch die Muskelschwäche beispielsweise unter schweren Atem- oder Schluckproblemen leiden, versorgen wir in der Klinik für neurologisch-neurochirurgische Frührehabilitation und Weaning (Beatmungsentwöhnung). In der sogenannten Phase B können wir hier Patienten bei Bedarf künstlich beatmen und intensivmedizinisch überwachen. Gleichzeitig beginnen unsere Physiotherapeuten, Logopäden, Ergotherapeuten und Neuropsychologen mit einer intensiven Frührehabilitation.

Eine vollständige Heilung der Muskelschwäche ist nicht möglich. Wenn Sie als Myasthenie-Patient in der MEDICLIN Klinik Reichshof sind, soll unsere Behandlung:

  1. Ihre Beschwerden lindern
  2. Sie dabei unterstützen, eine größtmögliche Selbstständigkeit und Lebensqualität im Alltag zu erreichen

Diagnostik

Bei Verdacht auf eine Myasthenie untersuchen Sie unsere Fachärzte sorgfältig. Dazu ist unsere Klinik mit Diagnosegeräten auf dem neuesten Stand ausgestattet.

Im persönlichen Gespräch erfasst der Arzt Ihre Krankheitsgeschichte und stellt Ihnen Fragen wie:

  • Welche Beschwerden haben Sie und seit wann?
  • Wann tritt die Muskelschwäche verstärkt auf?
  • Gibt es Beschwerden beim Atmen, Kauen, Schlucken oder Sprechen?

Um die Diagnose zu sichern, nutzen wir spezielle Tests:

  • Simpson-Test: Der Arzt prüft, wie lange der Patient die Augenlider weit geöffnet halten kann.
  • Test der Muskelreaktion nach elektrischer Stimulation bestimmter Nerven
  • Untersuchung des Blutes und von Muskelgewebe auf typische Antikörper
  • logopädische Untersuchung der Rachen- und Kaumuskeln

Wenn die Untersuchungen abgeschlossen sind, bespricht ein neurologischer Facharzt mit Ihnen die Ergebnisse und das weitere Vorgehen.

Therapie

Während Ihrer Behandlung betreut Sie ein interdisziplinäres Team. Dazu gehören u.a.:

  • Fachärzte
  • Pflegetherapeuten
  • Ergotherapeuten
  • Sprach- und Schlucktherapeuten
  • Psychologen und klinische Neuropsychologen (GNP)
  • Physiotherapeuten
  • Sporttherapeuten
  • Sozialarbeiter

Die Therapie in der MEDICLIN Klinik Reichshof richtet sich nach einem ganzheitlichen medizinischen und psychosozialen Konzept: Wir behandeln nicht nur Ihre körperlichen Beschwerden, sondern berücksichtigen alles, was notwendig ist, damit Sie sich trotz Ihrer Erkrankung wieder möglichst selbstständig in Ihrem familiären und beruflichen Alltag zurechtfinden. Wichtigstes Ziel ist die Besserung Ihrer Lebensqualität.

Ein in der Rehabilitation erfahrener Facharzt für Neurologie und Psychiatrie plant und kontrolliert Ihre Therapie.

Zu unserem Behandlungskonzept gehört die enge Einbindung Ihrer Angehörigen. Wenn möglich, nehmen wir diese mit auf („Rooming in”).

Vorteile dabei sind:

  • Patienten fühlen sich in Begleitung ihrer Angehörigen sicherer.
  • Beim Rooming in lernen Angehörige, mit einer möglichen Behinderung umzugehen und arbeiten sich unter der Anleitung von Therapeuten und Pflegekräften in die Versorgung und Pflege ein.

Unsere Therapiebausteine

Aktivierende und unterstützende Pflege

Unsere Pflegemitarbeiter unterstützen aktiv die Therapien. Ihre Angehörigen können unter Anleitung in der Pflege mitarbeiten. So lernen sie, wie sie Ihnen bei Bedarf zu Hause Hilfestellung geben können.

Physiotherapie

Unsere Physiotherapeuten fördern Ihre Mobilität und Bewegungsfähigkeit. Die krankengymnastische Abteilung arbeitet u.a. nach dem Bobath-Konzept bzw. auf neurophysiologischer Grundlage. Weitere Behandlungsmethoden sind PNF (Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation fördert das Zusammenspiel zwischen Rezeptoren, Nerven und Muskeln), Basale Stimulation (aktiviert die Körper- und Sinneswahrnehmung), Brunkow-Methode (verbessert die Haltung und Bewegungen) e-Technik-Therapie (optimiert Bewegungsabläufe) sowie Manuelle Therapie.

Physikalische Therapie

Unsere Therapeuten behandeln gestörte Körperfunktionen gezielt mit physikalischen Mitteln zur Schmerzlinderung: Massagen, Manuelle Lymphdrainage, Elektrotherapie, Inhalation, Thermotherapie, Hydrotherapie und Balneotherapie

Ergotherapie

Unsere Ergotherapeuten üben mit Ihnen Alltagsfunktionen, damit Sie eine größtmögliche Selbstständigkeit erreichen.

Logopädie

In der Logopädie behandeln Sie unsere Therapeuten bei Sprach-, Sprech-, Stimm- und Schluckstörungen sowie bei Lähmungen im Gesichtsbereich. Die Mitarbeiter nutzen wissenschaftlich fundierte Maßnahmen und Techniken. Je nach Störungsbild findet die logopädische Therapie einzeln oder in der Gruppe statt.

Sporttherapie

Unsere Sporttherapeuten unterstützen Sie dabei, gestörte körperliche, psychische und soziale Funktionen auszugleichen und zu verbessern. Spezielle Übungen trainieren beispielsweise Beweglichkeit und Koordination. Durch Herz-Kreislauf-Training stärken wir zudem Ihre körperliche Fitness.

Neuropsychologie

Mit Diagnose- und Therapiekonzepten, die dem aktuellen wissenschaftlichen Stand entsprechen, behandeln unsere Neuropsychologen:

  • Orientierungsstörungen
  • Aufmerksamkeitsdefizite
  • Gedächtnis- und Lernprobleme
  • Gesichtsfeldausfälle
  • Augenmotilitäts- und Blickmotorikstörungen
  • Störungen der Handlungsplanung
  • dementielle Syndrome
  • Affektveränderung
  • Fehlende oder gestörte Krankheitseinsicht
  • Falsche psychische Verarbeitung der Krankheitsfolgen

Darüber hinaus beraten unsere Mitarbeiter bei Bedarf Ihre Angehörigen.

Behandlung mit Medikamenten

Während Ihrer Rehabilitation stellen unsere Ärzte die für Sie am besten geeignete Medikation ein.

Ziel der Medikamente ist es, die Beschwerden zu lindern. In der Regel müssen Sie die Medikamente ein Leben lang einnehmen.

Mögliche Medikamente

  • Acetylcholinesterasehemmer, um die Signalübertragung zwischen Gehirn und Muskeln zu verbessern
  • Immunsuppressiva: Spezielle Wirkstoffe senken die Wirkung der bei der Myasthenie „fehlgeleiteten“ Antikörper.
  • In schweren Fällen, etwa wenn die Rachen- und Atemmuskeln stark betroffen sind, kann eine Plasmapherese („Blutwäsche“) erforderlich werden oder die Gabe hochdosierter Antikörper zur Regulierung des Immunsystems. Diese Therapieformen werden in der Regel in einer Akutklinik durchgeführt.

Spezialisierte Therapie bei Beschwerden der Rachen- und Atemmuskulatur 

Die MEDICLIN Klinik Reichshof ist auf die Therapie von Beschwerden der Rachen- und Atemmuskulatur durch eine Myasthenie spezialisiert. Unsere neurologischen Fachärzte haben dafür mit Experten unserer Fachklinik für Pneumologie ein fachübergreifendes medizinisches Konzept erarbeitet.

Dieses umfasst:

  • intensives Atemtraining durch Sport- und Ergotherapeuten
  • Sprach- und Schlucktherapie: Dabei wird beispielsweise die Ernährung angepasst
  • ergotherapeutische Beratung über eine mögliche Versorgung mit Hilfsmitteln
  • psychologische Unterstützung zum Umgang mit der Erkrankung

Bei Bedarf nehmen Sie an weiteren Therapien sowie an Schulungen zur Gesundheitsvorsorge teil.

Wer Sie behandelt

Dr. med. Jürgen Bonnert

Dr. med. Jürgen Bonnert

Chefarzt der Fachklinik für Neurologie

Privatdozent Dr. med. Bert Bosche

Privatdozent Dr. med. Bert Bosche

Leitender Arzt der Klinik für Neurologisch-neurochirurgische Frühreha & Weaning

Dr. med. Peter Nikolaus Nolte

Dr. med. Peter Nikolaus Nolte

Leitender Oberarzt der Fachklinik für Neurologie

Dr. med. Ute Benner-Kristen

Dr. med. Ute Benner-Kristen

Oberärztin der Fachklinik für Neurologie

Dr. med. Benjamin Lührmann

Dr. med. Benjamin Lührmann

Oberarzt der Fachklinik für Neurologie

Dr. med. Matthias Schmalenbach

Dr. med. Matthias Schmalenbach

Chefarzt der Fachklinik für Pneumologie

Dr. Dr. med. Marek Molcanyi

Dr. Dr. med. Marek Molcanyi

Oberarzt der Klinik für Neurologisch-Neurochirurgische Frührehabilitation

Axel Hellner

Axel Hellner

Therapiekoordinator, Therapieleitung

Dr. Dipl.-Psych. Petra Zimmermann

Dr. Dipl.-Psych. Petra Zimmermann

Leitung Neuropsychologie, Qualitätsbeauftragte

Martina Kaiser

Martina Kaiser

Leitung Logopädie

Carolina Pointke

Carolina Pointke

Leitung Ernährungsberatung

Susanne Rabe

Susanne Rabe

Leitung Sozialdienst

Ansprechpartner

Sylvia Wenigenrath

Sylvia Wenigenrath

Patientenaufnahme

Anke Modniewski

Anke Modniewski

Patientenaufnahme